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Projekt des Monats Januar 2021

Renaturierung des Floßgrabens bei Benndorf – Hochwasser- und Artenschutz gemeinsam umgesetzt

Neues Rückhaltebecken am Floßgraben
Neues Rückhaltebecken am Floßgraben   © TG Ländliche Neuordnung Bubendorf/Benndorf

Der Ortsteil Benndorf der Stadt Frohburg war in den letzten Jahren immer wieder von Überschwemmungen betroffen. Neben dem Hochwasser der Wyhra im August 2002 traten häufiger Überflutungen durch wild abfließendes Wasser sowie durch den starken Zufluss des Floßgrabens auf.

Im Jahr 2006 stand die Ortslage sowohl im Februar als auch im März unter Wasser. Daraufhin wurde durch das Ingenieurbüro Institut für Ingenieur- und Tiefbau GmbH aus Markkleeberg die „Wasserkonzeption Benndorf“ erarbeitet. Darin sind hydrologische Zusammenhänge dargestellt und Überflutungsschwerpunkte herausgearbeitet.

Entsprechend der Wasserkonzeption wurden die Maßnahmen „Försterreich“ (2008), „Ritterguts- und Wallteich“ (2008/2009), „Schlossteiche“ (2010) und „Abfanggraben Benndorf“ (2012) durchgeführt.

Überflutungen in Benndorf am 02.06.2013
Überflutungen in Benndorf am 02.06.2013   © Teilnehmergemeinschaft Ländliche Neuordnung Bubendorf/Benndorf

Diese bereits realisierten Maßnahmen konnten die Überflutung der Ortslage beim Hochwasser im Juni 2013 zwar reduzieren, aber nicht verhindern. Da die Überschwemmungen wiederholt vom Floßgraben ausgingen, wurde ab Ende 2019 die Maßnahme „Renaturierung Floßgraben“ in Angriff genommen.

Die durch das o.g. Ingenieurbüro geplante Maßnahme dient dem Hochwasserschutz der Ortslage Benndorf bei einem 10-jährigen Hochwasserereignis und dem Schutz vor wild abfließendem Oberflächenwasser.

Kernstück der Maßnahme ist ein neu angelegtes Regenrückhaltebecken mit Drossel-Stau-System und einem Fassungsvermögen von bis zu 15.000 m³. Es wurde in Erdbauweise errichtet. Die Abflussbegrenzung wird durch einen im Vergleich zum Zulauf verkleinerten Rohrquerschnitt erreicht.

In das Regenrückhaltebecken ist ein Tümpel mit dauerhaftem Wasserstand integriert. Dieser und spezielle Ansaatmischungen (autochton) erweitern den Biotopverbund und tragen maßgeblich zum Erhalt des Artenreichtums im Gebiet der Wyhraaue bei.

Durch Beweidung mit Schafen soll das Regenrückhaltebecken frei von unerwünschtem Baum- und Strauchwuchs gehalten werden.

Regenrückhaltebecken Plan, während des Baues und nach Fertigstellung
Regenrückhaltebecken Plan, während des Baues und nach Fertigstellung  © Planungsbüro IIT GmbH / TG Ländliche Neuordnung Bubendorf/Benndorf

Im weiteren Verlauf des Rohrgrabens wurde ein neuer Graben  („Neugraben“) angelegt. Dieser  erhielt durch die Anlage von Mäandern einen gewässertypischen Verlauf und besitzt auf beiden Seiten einen 10 m breiten Gewässerrandstreifen.

Der Altgrabenbereich blieb erhalten und ist nun als vliesumhüllter unterirdischer Kiesspeicher mit Überlaufdrainage ausgebildet, der auch für den Abfluss von Drainagewässern zuständig bleibt. Er fasst bis zu 500 m³ Wasser, welches in Trockenperioden durch langanhaltende Sickerprozesse an den Untergrund und in die umliegenden Flächen abgegeben werden kann und somit einer potentiellen Austrocknung der dortigen Böden entgegenwirkt.

Planung; Röhricht am Altgraben und Pflanzungen am Neugraben
Planung; Röhricht am Altgraben und Pflanzungen am Neugraben   © Planungsbüro IIT GmbH / TG Ländliche Neuordnung Bubendorf/Benndorf

Für den Fall, dass die Grabenmulden bei einem größerem Regenereignis überlaufen sollten, bilden die Tümpel einen zusätzlichen Überflutungsschutz für die Ortslage Benndorf.

Den Graben und auch das Regenrückhaltebecken säumen extensiv bewirtschaftete und blütenreiche Wiesen. Dies bietet vielen Insektenarten einen guten Lebensraum.

Im Bereich westlich der Motocrossbahn Frohburg wurden die Verrohrung beseitigt und der Graben offengelegt. Zudem erfolgt ein Überlauf des unterhalb liegenden Teiches in diesen Zulaufgraben.

Zulaufgraben noch verrohrt und offengelegter Zulaufgraben in Funktion
Zulaufgraben noch verrohrt und offengelegter Zulaufgraben in Funktion   © TG Ländliche Neuordnung Bubendorf/Benndorf

Ersatz- und Ausgleichspflanzungen finden sich in den Baum-, Strauch- und Weidenanpflanzungen entlang der Grabenmulden und in den Strauchpflanzungen auf den Norddämmen des Regenrückhaltebeckens, dem Tümpel im Regenrückhaltebecken sowie entlang des Zulaufgrabens wieder.

Die Renaturierung des Floßgrabens wurde durch die Teilnehmergemeinschaft Bubendorf/Benndorf im Jahr 2019/2020 durchgeführt.

Die Schaffung von Retentionsräumen mit einem Wasserrückhaltevermögen in Höhe von mindestens 15.000 m³ und die Rückhaltung des Wassers in der Fläche wurden wie angestrebt erreicht. Damit konnte der Schutz der Ortslage Benndorf vor Hochwasser deutlich verbessert werden.

Bei der Umsetzung der Maßnahme wurde der Naturnähe große Beachtung geschenkt. Es entstanden Brut- und Nahrungsräume für einheimische Vogel-, Amphibien- und Fledermausarten. Durch den Erhalt des Altgrabens und die Mäandrierung des Neugrabens wurde eine Mulden- und Tümpelkette gebildet, die zeitweise wasserführend ist. Somit entstand ein Feucht-Trocken-Biotop als wichtiger neuer Lebensraum für bedrohte Arten in der Agrarlandschaft.

Mäander des Neugrabens und Tümpel neben dem Neugraben
Mäander des Neugrabens und Tümpel neben dem Neugraben   © Teilnehmergemeinschaft Ländliche Neuordnung Bubendorf/Benndorf

Die Baukosten für die Wasserbau- und die Pflanzmaßnahme belaufen sich auf ca. 649.600 €, einschließlich Planungsleistungen und ökologischer Baubegleitung.

Die Investition der Teilnehmergemeinschaft wurde im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“ durch die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Sachsen in Höhe von 85 % gefördert. Den für die Teilnehmergemeinschaft Bubendorf/Benndorf verbleibenden Eigenleistungsanteil übernahm die Stadt Frohburg.

Teilnehmergemeinschaft Bubendorf/Benndorf
beim Landratsamt Landkreis Leipzig
Vermessungsamt, Sachgebiet Ländliche Neuordnung
04550 Borna

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