Hauptinhalt

Projekt des Monats Juni 2021

Abbruch Alte Schäferei: Entsiegelung und Artenschutz gemeinsam umgesetzt, Landkreis Mittelsachsen

Pflanzplan
Pflanzplan  © VLN Sachsen; GeoSN

In der Gemeinde Ostrau befindet sich direkt an der Grenze zu Nordsachsen das Flurbereinigungsverfahren Schrebitz. Dieses Regelverfahren wurde im Jahr 1999 zur Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft (Agrarstrukturverbesserung) sowie zur Förderung der allgemeinen Landeskultur und Landentwicklung nach §§ 1, 4 und 37 des Flurbereinigungsgesetzes (FlurbG) angeordnet.

Zur Erschließung der landwirtschaftlichen Grundstücke wird im Rahmen des Verfahrens ein nutzungsadäquates und leistungsfähiges landwirtschaftliches Wegenetz errichtet. Die Richtlinie für den ländlichen Wegebau (RLW) gibt dabei Ausbauart und -breite anhand verschiedenster Kriterien vor. Je nach Klassifizierung des Weges und ggf. vorhandener Ausbauart kommt es dabei zur Bodenversiegelung. Diese Eingriffe in den Naturhaushalt sind auszugleichen.

Durch TG Schrebnitz ausgebauter Hauptwirtschaftsweg im Vergleich
Durch TG Schrebnitz ausgebauter Hauptwirtschaftsweg im Vergleich.  © TG Schrebitz

Durch das Landratsamt Mittelsachsen wurden im Jahr 2009 die „Allgemeinen Grundsätze für die zweckmäßige Neugestaltung des Flurneuordnungsgebiets“ nach § 38 FlurbG aufgestellt und der Teilnehmergemeinschaft (TG) als Planungsgrundlage übergeben. Darin wurde mit Verweis auf die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung festgelegt, dass bei der Planung vorrangig zu prüfen ist, ob ein gleichartiger Ersatz der durch das Vorhaben beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushaltes möglich ist.

Im Prozess der Aufstellung des Wege- und Gewässerplanes wurden durch den Vorstand der TG die möglichen Maßnahmen zum Wegebau, der Landschaftspflege, der Entsiegelung und zum Erosionsschutz im Gleichklang festgelegt.

Als funktionsgleiche Ausgleichsmaßnahme für die ausbaubedingte Versiegelung wurde der Abbruch einer ehemaligen Schäferei in das Maßnahmenkonzept aufgenommen. Das im Eigentum der Gemeinde Ostrau befindliche Gebäude war Bestandteil eines Vierseithofes und verfiel nach vielen Jahren Leerstand zunehmend.

Als Anschlussmaßnahme hat der Vorstand der TG die Bepflanzung der durch den Abbruch entstehenden Brachfläche mit aufgenommen.

Alte Schäferei
Alte Schäferei  © TG Schrebitz

Durch die bereits im Vorfeld eingesetzte ökologische Baubegleitung wurde am Gebäude ein Eidechsenbesatz festgestellt. In enger Abstimmung zwischen Naturschutz- und Plangenehmigungsbehörde sowie der Teilnehmergemeinschaft wurden bei der Ausgestaltung des Pflanzplanes deshalb ein Lesesteinhaufen für Eidechsen mit berücksichtigt. Weiterhin gab es Nachweise, dass sich zeitweise Breitflügelfledermäuse (Eptesicus serotinus) im Abbruchobjekt aufgehalten haben. Für den möglichen Lebensraumverlust wurden durch die ökologische Baubegleitung ebenso mehrere Ersatzlebensraumangebote vorgeschlagen.

Schon vor Beginn der eigentlichen Abbruchmaßnahmen waren vorbereitende Maßnahmen notwendig. Durch die Gemeinde wurden in Eigenleistung Bäume und Gestrüpp am Gebäude entfernt. An das Abbruchobjekt grenzt eine rund 60 m lange Stützmauer an, hinter der sich mehrere Erdkeller befinden. Durch die Mitarbeiter des Bauhofs wurden mehrere durch die TG erworbene Fledermaus-Sommerquartiere und Nischenbrüterhalbhöhlen an die Stützmauer angebracht. Vor einigen Jahren wurde der Zugang einiger Erdkeller zum Schutz vor unbefugten Betreten durch eine Mauer verschlossen. Nach der punktuellen Öffnung dieser Barriere sind die dahinter befindlichen Kellergewölbe wieder als zugluft- sowie frostfreies Winterquartier für die Fledermäuse zur Verfügung gestellt worden.

Pflanzplan
Pflanzplan  © VLN Sachsen; GeoSN

Die Abbruch- und Entsorgungsarbeiten erfolgten zwischen August und Oktober 2019. Nach dem Abbruch sind nunmehr rund 400 m² Fläche entsiegelt. Für die Eidechsen wurden eine Sandschüttung als Brutplatz sowie mehrere Lesesteinhaufen aus dem Material des Abbruchobjektes angelegt. Die Pflanzung von ca. 90 Sträuchern (siehe Pflanzplan) erfolgte auf einer Fläche von ca. 500 m² im vergangenen Jahr und befindet sich derzeit in der Entwicklungspflege. Bei der Anlage der Pflanzung wurde darauf geachtet, dass die Flugkorridore der Fledermäuse zu ihren Quartieren freigehalten werden.

Lesesteinhaufen mit Sandschüttung als Eidechsenhabitat
Lesesteinhaufen mit Sandschüttung als Eidechsenhabitat  © TG Schrebitz

Der Ortschaftsrat hat die neugeschaffene Anlage der Teilnehmergemeinschaft mit in das örtliche Naherholungskonzept aufgenommen. In den kommen Jahren sollen dort noch Bänke aufgestellt werden. Damit wird durch die naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahme nicht nur ein marodes Gebäude beseitigt und ein innerörtliches Biotop angelegt, sondern es entsteht auch ein weiterer Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft.

Zur Umsetzung des Abbruchs sowie der Pflanzung wurden rund 70.000 Euro investiert. Die TG Schrebitz wurde dabei im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“, durch Mittel von Bund und Freistaat Sachsen mit 80 % gefördert. Der verbleibende Eigenleistungsanteil, welcher grundsätzlich von der Teilnehmergemeinschaft zu tragen ist, wurde durch die Gemeinde Ostrau übernommen. Die Kosten für die zugrundeliegenden genehmigungsfähigen Planungen trägt der Landkreis Mittelsachsen als Verfahrenskosten.

Landratsamt Mittelsachsen
Abt. Integrierte Ländliche Entwicklung und Geoinformation
Ref. Ländliche Entwicklung, Bodenordnung
Frauensteiner Str. 43, 09599 Freiberg

zurück zum Seitenanfang