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Projekt des Monats November 2020

"Abbruch und Renaturierung Alte Eisfabrik und Viehunterstand", TG Klitten Nord und Klitten Süd, Landkreis Görlitz

Renaturierte Fläche mit Strauchsaum und Baumsetzlingen am Ende des ersten Jahres der Entwicklungspflege
Renaturierte Fläche mit Strauchsaum und Baumsetzlingen am Ende des ersten Jahres der Entwicklungspflege  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord

Die Verfahren der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord und Klitten Süd wurden mit rund 1.600 ha und 1.485 ha als Gruppenverfahren nach den §§ 1 und 37 FlurbG angeordnet. Gelegen in der Gemeinde Boxberg/O.L. befinden sie sich im Spannungsfeld zwischen dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und dem Bärwalder See, dem ehemaligen Braunkohletagebau Bärwalde.

In den Verfahrensgebieten sind landwirtschaftlich nutzbare Flächen begehrt. Die Flächenverfügbarkeit ist schwierig. Durch den Wiederanstieg des Grundwassers aufgrund der Rekultivierung des ehemaligen Braunkohletagebaus Bärwalde sind einige Bereiche nur teilweise oder gar nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar.

Die Teilnehmergemeinschaften (TG) mussten daher bei der Suche nach naturschutzfachlichen Kompensationsflächen umdenken und neue Wege gehen. Der Bedarf an Kompensation war in beiden TG´en in unterschiedlichem Maß vorhanden.

Ein Projekt ergab sich in Zusammenhang mit dem Rückbau der „Alten Eisfabrik und des Viehunterstandes“, die westlich der Ortslage Klitten im Verfahrensgebiet Klitten Nord gelegen sind.

Luftbild mit Darstellung der örtlichen Situation
Luftbild mit Darstellung der örtlichen Situation  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord
Blick auf Eisfabrik und Innenhof
Rückbau "Alte Eisfabrik" - links: Blick in südöstliche Richtung auf die Eisfabrik; rechts: Blick in den "Innenhof" mit der Betonplatte und der Eisfabrik in Richtung Westen  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord
Blick von Nordwesten auf den "Viehunterstand" und im Hintergrund die "Alte Eisfabrik"
Rückbau "Viehunterstand" - Blick von Nordwesten auf den "Viehunterstand" und im Hintergrund die "Alte Eisfabrik"  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord

Nach Klärung der Flächenverfügbarkeit trat die TG Klitten Nord als Bauherr ein. Die TG Klitten Süd vereinbarte die Übernahme der Eigenleistungen und erhielt im Gegenzug das Kompensationsvolumen der Maßnahmen für den Wege- und Gewässerplan nach § 41 FlurbG.
Konkret wurden vier Maßnahmen gebildet, zwei Abbruch- und zwei Renaturierungsmaßnahmen.

Grundsätzlich ist bei Kompensationsmaßnahmen die direkte Flächenentsiegelung als Ziel im Bundesnaturschutzgesetz vorgegeben (§ 1 Absatz 3 Ziffer 2 BNatSchG). In der konkreten Umsetzung gestaltet sich dies jedoch schwierig. Die infrage kommenden Objekte müssen aufgrund der Eingriffsregelungen im BNatSchG außerhalb der Ortslagen liegen und dürfen keine anderweitigen Nutzungsansprüche aufweisen. Die hier benannten Projekte erfüllen diese Voraussetzungen.

Die Maßnahme Rückbau "Alte Eisfabrik" beinhaltete den Abbruch der Gebäude der Eisfabrik und des Düngemittellagers mit zusammen rund 725 m² Grundfläche sowie einer Betonfläche im Hof von rund 1.100 m². Vor Bauausführung mussten aus artschutzrechtlichen Gründen (gemäß § 44 Abs. 1 BNatSchG) drei Völker der Roten Waldameise durch Fachleute aus dem Baufeld umgesiedelt werden.
Bei der Maßnahme Rückbau Viehunterstand wurde ein Landwirtschaftsgebäude mit einer Grundfläche von rund 190 m² sowie ein Betonplattenweg mit rund 130 m² zurückgebaut. In beiden Maßnahmen wurden auch diverse Müllablagerungen entsorgt.

Im Anschluss konnten die freigemachten Flächen der Renaturierung unterzogen werden. Dabei war es naheliegend, den angrenzenden naturnahen Waldbestand durch die Maßnahme  Renaturierung "Alte Eisfabrik" zu ergänzen.
Dazu wurden im Maßnahmengebiet vorhandene, instabile Kiefern gefällt und zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. Ein erheblicher Bewuchs gebietsfremder Robinien auf der Ostseite der Vorhabensfläche wurde gerodet und das Erdreich mit schwerer Technik tiefengefräst. Im Anschluss konnte die vorbereitete Pflanzfläche von ungefähr 3.325 m² mit Kiefern, Lärchen, Stieleichen, Winterlinden und Vogelkirschen bepflanzt werden. Auf der West- und Nordseite wurden ein dreireihiger Strauchsaum zur Abstufung und eine Strauchfläche mit rund 770 m² angelegt (328 Sträucher). Als Besonderheit konnte die Baum- und Strauchfläche mit einer Schicht von 10 cm Holzhackschnitzel flächig angedeckt werden, um auf den stark sandigen Böden eine bessere Wasserhaltung und somit Etablierung der Jungpflanzen zu erzielen.
Der Übergang zum Offenland auf der Westseite wurde auf einer Fläche von rund 525 m² mit einer Rasenblühmischung für Extensivgrünland angelegt.
Nach Anlage und Fertigstellungspflege schließt eine 5-jährige Entwicklungspflege an.

Die Maßnahme Renaturierung Viehunterstand beinhaltete die Pflanzung von je zwei Winterlinden sowie Feldahorn und 76 Sträuchern. Zwei vorhandene Eichen wurden in die Neuanlage eingebunden. Eine Fläche von rund 700 m² erhielt ebenfalls eine Einsaat einer Rasenblühmischung für Extensivgrünland.

während der Bausführung - Rückbau Alte Eisfabrik
während der Bausausführung Rückbau "Alte Eisfabrik" - links: teilweise abgebrochene Alte Eisfabrik; rechs: Blick über die ehemalige Betonplatte  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord
während der Bauausführung Rückbau alte Eisfabrik
während der Bauausführung Rückbau "Alte Eisfabrik" - links: Blick von der Westseite auf das Düngemittellager; rechts: beräumtes Düngemittellager  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord
während der Bauausführung Rückbau Viehunterstand
während der Bauausführung Rückbau "Viehunterstand" - links:Blick von der Südseite auf den Viehstand; rechts: beräumte Fläche des ehemaligen Viehunterstandes  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord

Die Abbruch- und Entsorgungsarbeiten wurden zwischen September und Dezember 2017 realisiert. Die Anlage der Renaturierungen erfolgte ab Herbst 2018.

Die vier Maßnahmen  im  Projekt stellen eine echte Entsiegelung von gut 2.100 m² Fläche dar, die nach Abschluss der Arbeiten in einen naturnahen Zustand zurück versetzt wurden.
Die Voraussetzungen für die Anlage von Pflanzungen war nicht optimal, da in den Abbruchbereichen die Bodenstruktur nicht homogen war und in den weniger berührten Flächen stark sandige Böden vorherrschten. Bereits jetzt ist erkennbar, dass sich die Andeckung der Pflanzflächen mit einer Schicht aus Holzhackschnitzeln bewährt hat. So konnte bei Überprüfungen festgestellt werden, dass der Boden unter der Hackschnitzelschicht noch feucht war, während umliegende, nicht abgedeckte Böden bereits stark ausgetrocknet waren. Trotz der sehr trockenen Sommer seit 2018 ist die Ausfallquote der gepflanzten Gehölze gering.
Wie gut die Wiederansiedelung der gebietsfremden Robinien im östlichen Teil der "Alten Eisfabrik" verhindert werden kann, wird sich zum Ende der Entwicklungspflege zeigen. Der Planung lag die Einschätzung zu Grunde, dass in dem Bereich durch Pflanzen von Lärchen als schnellwachsende Baumart Robinien zurückgedrängt werden können. Weiterhin werden sie in den Pflegegängen gezielt entfernt.

Nach Endabnahme und Rückbau der Schutzzäune ist davon auszugehen, dass die Pflanzungen auch einen wertvollen Beitrag zum Biotopverbund leisten werden.

Renaturierung Alte Eisfabrik
Renaturierung "Alte Eisfabrik" - links: Blick über die Pflanzung mit Strauchsaum im Vordergrund; rechts: westliche Seite, Blick von der ehemaligen Einfahrt  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord
Renaturierung Viehunterstand
Blick von der Südseite auf die Renaturierung "Viehunterstand"  © Teilnehmergemeinschaft der Ländlichen Neuordnung Klitten Nord

Für die Abbruch- und Rückbauarbeiten entstanden Ausführungskosten von rund 111.600 €. Die Erstellung der beiden Pflanzungen inklusive aller Pflegen ist mit Ausführungskosten von rund 99.700 € geplant. Der Teilnehmergemeinschaft Klitten Nord wurden die Investitionen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“ durch die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Sachsen in Höhe von 90 % gefördert. Den Eigenleistungsanteil übernahm die TG Klitten Süd für die TG Klitten Nord, im Gegenzug erhielt sie dafür das Kompensationsvolumen. Der Landkreis Görlitz übernahm die entstandenen Verfahrenskosten.

Landratsamt Görlitz
Amt für Vermessungswesen und Flurneuordnung
Obere Flurbereinigungsbehörde
Postfach 30 01 52
02806 Görlitz

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