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Projekt des Monats September 2021

Verbesserung der forstwirtschaftlichen Nutzung und der Naherholung im Flurbereinigungsverfahren Cunewalde, Landkreis Bautzen

Blick ins Cunewalder Tal
Blick ins Cunewalder Tal   © Ines Westphal

Die Gemeinde Cunewalde liegt im Lausitzer Bergland südlich von Bautzen. Dieses zieht sich entlang der Staatsgrenze zu Tschechien im Süden des Landkreises Bautzen. Die größtenteils bewaldete Hügelkette hat mit dem Czorneboh mit 556 Höhenmetern einen der höchsten Berge des Landkreises im Gebiet der Gemeinde Cunewalde.

Fast für das gesamte Gemeindegebiet wurde im August 2012 ein Regelflurbereinigungsverfahren nach § 1 in Verbindung mit § 37 FlurbG mit einer Verfahrensfläche von 2.583 ha angeordnet.

Hauptaufgabe des Verfahrens sind der Ausbau der Infrastruktur für die Land- und Forstwirtschaft, die Klärung von Eigentumsverhältnissen an Gewässern, Hochwasserschutzmaßnahmen und die Erschließung der Ortslage mit einer begleitenden Bodenordnung.

Gleichzeitig soll mit den Maßnahmen eine Verbesserung der Lebensqualität im Ländlichen Raum einhergehen. Daher wird in der Regel nach Möglichkeiten gesucht, die Erschließungsfunktion der im Verfahren auszubauenden Wege mit anderen Anforderungen aus der Region zu kombinieren.

Der Hauptforstwirtschaftsweg für die Waldflächen um den Czorneboh befand sich in einem desolaten Zustand. Eine ökonomische forstwirtschaftliche Nutzung der Waldgebiete war wegen der schlechten Erschließungsqualität nicht möglich.

In diesem Gebiet befindet sich auf dem Gipfel ein touristisches Kleinod - die Czornebohbaude mit Aussichtsturm. Der alte Pächter gab seinen Betrieb im Jahr 2012 auf. Die Stadt Bautzen als Eigentümerin der Bergbaude und des Aussichtsturms beabsichtigte zu diesem Zeitpunkt das Areal meistbietend zu veräußern. Damit war abzusehen, dass die traditionsreiche Bergbaude, die bereits seit 1852 Wanderer zum Verweilen einlädt, und der Aussichtsturm in der Zukunft nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein werden. Dadurch wäre ein wichtiges Naherholungsziel der Region für immer verloren gegangen.

Czornebohbaude um 1900
Czornebohbaude um 1900   © Gemeinde Cunewalde
Weg zum Czorneboh – alter Zustand
Weg zum Czorneboh – alter Zustand   © Gemeinde Cunewalde

Daher suchten die politisch Verantwortlichen der Stadt Bautzen und der Gemeinde Cunewalde gemeinsam mit der Teilnehmergemeinschaft Cunewalde nach einer zukunftsfähigen Gesamtlösung.

Die folgenden Ideen für ein Gesamtkonzept waren schnell geboren:

  1. Ausbau des Forstwirtschaftsweges bis zur Bergbaude und dem Aussichtsturm für die Holzabfuhr und die Erschließung der Baude
  2. Zeitgemäßer Ausbau der Bergbaude zu einem attraktiven Naherholungsziel

In der Folge beschloss die Stadt Bautzen ca. 1,2 Mio. Euro in die Sanierung der Bergbaude zu investieren. Die Teilnehmergemeinschaft entschied sich, gemeinsam mit der Stadt Bautzen und der Gemeinde Cunewalde den erforderlichen Forstwirtschaftsweg auszubauen. Auf der Grundlage dieses zukunftsträchtigen Konzepts war auch schnell ein neuer Betreiber für die Bergbaude gefunden.

Zeitnah und parallel trieben die Stadt Bautzen und die Teilnehmergemeinschaft Cunewalde ihre Bauvorhaben voran.

Eine besondere Herausforderung für den Wegebau stellten von Anfang an die naturschutzfachlichen Anforderungen im Genehmigungsverfahren dar. Der Weg führt durch einen Teil des Landschaftsschutzgebietes „Oberlausitzer Bergland“ und tangiert ein sensibles FFH-Gebiet. Deshalb war von Anfang an klar, dass der Weg nicht für den allgemeinen PKW-Verkehr geöffnet werden kann. Mit allen Akteuren wurden gangbare Kompromisse gefunden, so dass sowohl den Anliegen des Betreibers der Bergbaude als auch dem Naturschutz Rechnung getragen werden konnte.

Die beiden unterschiedlichen Investitionsvorhaben zeitgleich umzusetzen, war eine große organisatorische Herausforderung. Die Sperrung des Zufahrtsweges im Zuge des Ausbaus der Bergbaude und auch nach der Eröffnung der Baude musste vermieden werden. Deshalb war eine präzise Abstimmung der einzelnen Gewerke des Straßenbaus und des Ausbaus der Czornebohbaude notwendig. Darüber hinaus durfte der Baubeginn aus naturschutzfachlichen Aspekten nicht vor dem 01.08. des Jahres erfolgen, da der Wegebereich als Flugroute von einer seltenen Fledermausart genutzt wird.

Die Gesamtplanung des Wegebaus erfolgte durch die Teilnehmergemeinschaft. Unterschiedliche Finanzierungen machten die Teilung der Maßnahme erforderlich.

Durch die Gemeinde erfolgte im 1. Bauabschnitt auf einer Länge von 1,9 km bis zum Wanderparkplatz die Regulierung und Behebung des Hochwasser-Schadens aus dem Jahr 2013. Der grundhafte Ausbau vom Wanderparkplatz bis zur Baude erfolgte durch die TG auf einer Länge von 2,45 km.

Der Wegebau startete pünktlich Anfang August. Der Ausbau erfolgte in Asphalt mit einer Breite von 3,50 m + je 0,50 m Bankett. Es war ein sehr aufwendiger Einbau einer Entwässerung notwendig. Ausweichstellen und Holzlagerplätze wurden angelegt und in einem besonders gefährlichen Straßenbereich Leitplanken erneuert. Nach 4-monatiger Bauzeit konnte der Straßenbau abgeschlossen werden.

Einbau der Straßenentwässerung
Einbau der Straßenentwässerung  © Teilnehmergemeinschaft Cunewalde
Der Weg ist fast fertig.
Der Weg ist fast fertig.   © Teilnehmergemeinschaft Cunewalde

Die Baukosten für die Realisierung des Forstwirtschaftsweges in Trägerschaft der Teilnehmergemeinschaft Cunewalde betrugen ca. 607.000 Euro, der Fördersatz lag bei 83 %. Die Förderung erfolgte mit Mitteln aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ des Bundes und des Freistaates Sachsen. Den Eigenanteil trugen die Stadt Bautzen und die Gemeinde Cunewalde jeweils zur Hälfte.

Czornebohweg nach dem Ausbau
Czornebohweg nach dem Ausbau   © Teilnehmergemeinschaft Cunewalde

In der Zusammenarbeit zwischen Teilnehmergemeinschaft Cunewalde, der Gemeinde Cunewalde und der Stadt Bautzen ist es gelungen, ein touristisches Kleinod auch für künftige Generationen zu erhalten. Mit der neuen Zuwegung werden sowohl den Belangen der Forstwirtschaft als auch der Naherholung und des Tourismus Rechnung getragen.

Im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens Cunewalde konnte so ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität im Ländlichen Raum geleistet und darüber hinaus eine neue Erwerbsgrundlage für den Baudenwirt geschaffen werden.

Die gute Zusammenarbeit aller Akteure hat sich für die Region mehr als gelohnt.

Czornebohbaude mit Turm
Czornebohbaude mit Turm   © Wieland Adler

Landratsamt Bautzen
Amt für Bodenordnung, Vermessung und Geoinformation
Sachgebiet Flurneuordnung
Macherstraße 55
01917 Kamenz
flurneuordnung@lra-bautzen.de

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